Neujahrsvorsätze und Lustgewinn - Spice up your New Year!

Aktualisiert: 13. Mai

Sich im Leben etwas vorzunehmen, was man für sich allein oder mit einer Gruppe von Menschen innerhalb eines bestimmten Zeitraums erreichen will, ist keine so schlechte Sache. Denn unser Gehirn braucht immer wieder einmal eine Richtung, einen Weg und ein Ziel. Ansonsten droht die Verwahrlosung. Oder der frühzeitige Tod. Warum du dir zum Jahreswechsel lieber etwas bewusst und willentlich vornehmen solltest, bevor es dein Gehirn oder andere Personen für dich tun, das erfährst du hier im folgenden Text.

Und, wie sieht es bei dir aus? Gehörst du noch zu den Menschen, die sich zum Jahreswechsel etwas vornehmen? Bilanz ziehen und überlegen, wie es kurz- und mittelfristig weitergehen soll? Mit all den Verpflichtungen, Verantwortlichkeiten, offenen Fragen, aber auch Projekten, Wünschen und Hoffnungen? Oder zählst du schon zu der Gruppe von Menschen, die sich lieber nichts mehr vornehmen? Weil sie es am Ende sowieso nicht umsetzen. Was nur noch zu mehr Frustration und Resignation führt. Von den Selbstzweifeln, dem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen ganz zu schweigen. Wer steht schon gern als Verlierer da. Es könnte aber auch sein, dass du mit deinem Leben einfach nur zufrieden bist. So, wie es ist, ist es gut. Da muss man nichts ändern. Oder, wie die Wiener sagen würden: Das geht sich so weit gut aus.


Achtung! Egal, zu welcher Gruppe von Menschen du dich zählst, wenn es um das Thema „Neujahrsvorsätze“ geht, eines ist Fakt und neurowissenschaftlich gut begründet:

Dein Gehirn hat immer etwas mit dir vor! Gut, wenn du darüber ab und zu die Kontrolle behältst. Schlecht, wenn du es einfach so laufen lässt.


Dein Gehirn funktioniert vorrangig nach dem Prinzip des maximalen Lustgewinns. Und das wieder und wieder und wieder. So lange, bis eben nichts mehr geht. Dein Körper nicht mehr mitspielt, du physiologisch und psycho-emotional am Ende bist.

Das Dopamin gesteuerte Verlangens-, Lust- und Belohnungssystem (VLB-System) in deinem Kopf liebt jede Art von Entscheidung und Handlung, die nicht nur einen stetigen Lustgewinn versprechen, sondern zu diesem auch in der Tat führen. Das ist auch der Grund dafür, warum du, trotz Neujahrsvorsätze, am Ende dann doch wieder lieber auf der Coach liegen bleibst, anstatt zum Sport zu gehen. Oder am Abend in aller Seelenruhe die Tüte Kartoffelchips oder eine Tafel Schokolade wegputzt, anstatt dich gesünder zu ernähren.

Laut aktueller Umfrage (Statista 2021) will jeder zweite von uns mehr Sport treiben (51%) oder sich gesünder ernähren (49%). Darauf folgen die wohl bekannten Dauerbrenner wie Abnehmen (42%), sparsamer leben (42%) und mehr Zeit mit Familie/Freunden verbringen (39%). Mit dem Rauchen wollen immerhin noch 23% der Befragten aufhören. Weniger Alkohol trinken haben sich nur 17% von uns vorgenommen. Ähnlich unpopulär ist das Vorhaben, weniger Zeit in sozialen Medien zu verbringen (16%) oder Vegetarier/Veganer zu werden (7%). Nur verschwindend wenige der Befragten (1%) gaben an, es schlichtweg nicht zu wissen, was sie sich vornehmen sollten.

Für mich sind die alljährlichen Umfragen zum Thema Neujahrsvorsätze eine Farce! Die Fragen und Antworten bilden nur das ab, was uns schon über Jahrzehnte immer wieder und wieder von Medizinern, Heilpraktikern, Mitarbeitern im Gesundheitswesen, aber auch von unseren besorgten Müttern und Vätern, Freunden und Kollegen, einschlägigen Ratgebersendungen, selbsternannten Gurus und Menschenkennern gebetsmühlenartig erzählt wird: Nehme an Gewicht ab, indem du mehr Sport treibst, dich gesünder ernährst (werde Vegetarier oder Veganer), ausreichend gut schläfst, besser mit Stress umgehst (nimm dir mehr Zeit für deine Familie), kontrolliert Alkohol trinkst, nicht mehr rauchst. Und Hände weg von Drogen jeglicher Art! Denn diese kapern dein Gehirn wie Piraten ein mit Gold, Schmuck und Diamanten beladenes Schiff. Mit dem Ziel, das Steuer deines VLB-Systems der Freude, Lust und Leidenschaft unter Kontrolle zu bekommen.

Und genau darin liegt das Problem: So lange du dir nicht wirklich klar bist, was dein VLB-System in deinem Kopf so alles mit dir Tag und Nacht anstellt, um befriedigt zu werden, so lange wirst du auch nichts groß in deinem Leben wirklich ändern können!



Neujahrsvorsätze sind erst einmal nur Lippenbekenntnisse, die es mit kognitiver Klarheit, emotionaler Stabilität und körperlicher Vitalität umzusetzen gilt.

Meine Tipps zum Jahreswechsel an dich lauten daher:

  1. Bekämpfe als erstes deinen Neujahrskater! Denn nur ein nüchterner Kopf kann klare Gedanken fassen. Wie das schnell funktionieren kann, siehst du in meinem neuen Video „Spice Up Your Katerfrühstück

  2. Setze dich dann für 60 Minuten hin, lege dir genügend Schreibpapier zurecht, nehme einen Stift in die Hand und notiere dir alle Gedanken und Empfindungen, die sich durch dein Herz, dein Gehirn und deine Gedärme winden. Ohne weitere Bewertung, ohne zu Zögern, schreibe einfach drauf los.

  3. Sortiere anschließend deine Notizen nach der Zeit. Welche gehören mehr zur Vergangenheit (Wo komme ich her?), zum Hier und Jetzt (Wo befinde ich mich gerade?), zu deiner Zukunft (Wo will ich hin?).

  4. Da es ja um Neujahrsvorsätze geht, nehme nun im nächsten Schritt all deine Notizen, die in die Zukunft weisen, genauer unter die Lupe. Frage dich, warum du dir das aufgeschrieben hast (Was ist das Motiv, der Beweggrund dafür? Wo kommt das her?) und wofür (Welche Erwartung, Belohnung, Ziele verbinde ich damit?).

  5. Gehe nun an das Formulieren deines Vorsatzes heran. Achte dabei stets darauf, dass du diesen für dein Gehirn ausreichend positiv stimulierend und motivierend aufsetzt.

  6. Prüfe im nächsten Schritt, welche Aktivitäten und Tricks deines Verlangens-Lust- und Belohnungs-Systems im Kopf deinem Vorhaben im Wege stehen könnten oder eventuell für dieses förderlich wären. Ich nenne diese Phase immer den psycho-emotionalen Blockaden-Ressourcen-Check.

  7. Überlege dir nun, wie du mit deinen psycho-emotionalen, VLB-systembedingten Blockaden und Ressourcen umgehen willst und was du eventuell für dich noch bezüglich deines Selbst-, Stress-, Konflikt- und Zeitmanagements erlernen musst.

  8. Stelle abschließend deinen eigenen Umsetzungsplan auf, rechne unbedingt zeitraubende Rückschläge und Frustrationen ein, erarbeite dir Teilziele und setze den Start- und Endpunkt exakt fest.

  9. Suche dir wahre Unterstützer in deinen sozialen Gruppen und Netzwerken. Achte dabei auf die neuen Erkenntnisse aus den sozialen Neurowissenschaften! Denn nicht jeder deiner aktuellen nahen Freunde ist der richtige, für dein Vorhaben passende, Förderer.

  10. Und dann lege los! Belohne dich für jeden kleinen Teilerfolg, lerne aus Rückschlägen und bekomme so Schritt für Schritt die geistige Kontrolle über dein VLB-System zurück! Denn dieses hat einfach zu lange das gemacht, was es wollte. Und das ist meistens nicht das Beste, Gesündeste und Angenehmste, was du in deinem Leben eigentlich verdient hast!


Um es hier an dieser Stelle vorwegzunehmen: Warum du deine Neujahrsvorsätze nicht wirklich umsetzt bzw. du dir erst gar keine vornimmst, liegt vor allem an deinen liebgewonnenen Gewohnheiten, denen du in deinem Alltag wie nahezu fremdgesteuert folgst. Wieder und wieder und wieder. Diese automatisierten Routinen und Anweisungen für dein alltägliches Verhalten, auch Skripten, Denkmuster, Schemata usw. genannt, lassen dich nicht los, beherrschen dich. Vor allem in Zeiten, in denen du gestresst, genervt, resigniert oder auch euphorisiert, äußerst optimistisch, voller Vorfreude bist. Doch diese, von dir liebgewonnenen, für dich auf Dauer aber häufig gesundheitlich schädlichen Gewohnheiten kommen nicht von irgendwo her. Nein, diese Automatismen deines Verhaltens sind Kreationen oder auch Konstruktionen deines Dopamin gesteuerten Verlangens-, Lust- und Belohnungs-Systems in deinem Kopf!

Das Leben ist am Ende ein Ringen um die Macht über dein VLB-Systems! Du hast es mit deinem Bewusstsein, Willen und Verstand im Kopf in der Hand, ob du dein autonom funktionierendes Verlangen nach Lustgewinn eine gesundheitsförderliche, lebensbejahende und wohlig durchdachte Ausrichtung gibst, oder ob das andere für dich tun (Thema psycho-emotionale Fremdbestimmung und damit Unfreiheit). Und ganz ehrlich, bevor andere Personen, Gruppen oder Ideen über dein VLB-System bestimmen, mache es lieber selbst! Indem du dir, ka-ching, unter anderem Neujahrsvorsätze aufstellst, wie oben von mir Schritt für Schritt beschrieben.


Das ist alles zu anstrengend für dich? Gut, eine letzte Variante bleibt dir natürlich immer: du lässt dich für einen festgesetzten Zeitraum einfach einmal gehen und folgst deinem VLB-System ohne Kontrolle, Nutzen-Aufwand-Abschätzung, Bedenken und Einschränkungen.

Dann müsste dein Neujahrsvorsatz allerdings wie folgt formuliert sein: „Ab jetzt wird gefressen, gesoffen, gefeiert, geraucht, gearbeitet und genommen, nach was es meinem meso-cortico-limbisch gelegenen Lust- und Belohnungs-System uneingeschränkt verlangt!“

Und? Wie wirkt dieser Vorsatz auf dich? Wenn du keinen „präfrontalen“ Widerstand spürst, dann lege los! Deinem Lebensrausch steht gedanklich nichts mehr im Wege! Falls sich in dir aber Bedenken regen, wie zum Beispiel „Wie soll ich das auch noch schaffen? Ich habe doch schon genug zu tun!“ oder „Wenn ich das zulasse, dann würde ich schnell in der Gosse landen.“ oder „Das ist nichts für mich. Ich brauche Strukturen, einen Plan und Ordnung, erst dann kann ich mich auch mal gern gehen lassen.“, dann stell dir lieber für dich machbare und umsetzbare Neujahrsvorsätze, nach denen es dich von der Vernunft und dem Verstand, aber auch von der Lust und der Leidenschaft her verlangt!


Und damit wünsche ich dir einen guten Rutsch ins neue Jahr! Nimm dir diesmal nicht das vor, was dir all die anderen sagen und vorbeten. Sondern nehme dir einfach mal vor, in bestimmten Alltagssituationen einmal anders zu denken, zu bewerten, andere Personen und deren Meinungen aus einer veränderten Perspektive wahrzunehmen, zu respektieren und vor allem mit dir vertrauten, liebgewonnen und „zugeordneten“ Menschen gut umzugehen und wertschätzend zu kommunizieren. Denn genau an diesen Stellschrauben in unserem Kopf lohnt es sich zu drehen, wenn wir wirklich etwas für uns selbst oder auch für das Gemeinwohl im positiven Sinne ändern wollen.