• Sven Sebastian

Steine, Briefmarken, Erinnerungen: Sammeln macht glücklich! - Weshalb Menschen sammeln.

Warum ich im Coachingprozess meine Klienten und Klientinnen immer frage, ob sie etwas sammeln, das erfährst du hier in diesem Blogartkel. Ich garantiere dir spannende, überraschende und hilfreiche Erkenntnisse zu diesem Thema!


Inhalt

1. Warum der Mensch sammelt

2. Welcher Sammlertyp bist du?

3. Wenn Sammeln Leiden schafft

4. Sammeln als "therapeutischer" Glücksbringer

5. Die (neurowissenschaftlichen) Motive des Sammelns

6. Ohne Sammeln keine Erinnerungen, ohne Erinnerungen kein Leben

7. Sammeln macht krisenfest



1. Warum der Mensch sammelt

Die Menschheit würde nicht überlebt haben, ohne zu sammeln. Durch das Sammeln persönlicher Erfahrungen erhalten Menschen erst eine Orientierung darüber, was richtig oder falsch, gefährlich oder ungefährlich, positiv oder negativ ist.


Es gibt vermutlich kein Objekt, das nicht von irgendwelchen Menschen auf dieser Welt "gesammelt" wird: Briefmarken, Träume, Fotos, Autos, Zitate, Lebensweisheiten, Kalender, kluge und dumme Sprüche, Zeitungsausschnitte, Geburtstage, Erinnerungsbilder, Fotos von Urlaubsreisen. Oder es werden Objekte wie Möbelstücke, wertvolle Bilder, Silberbesteck, Taschen, Fußbälle, Insekten und Kleidungsstücke angehäuft.


Das menschliche Gehirn ist dazu geschaffen, Erfahrungen und Erlebnisse zu sammeln, abzuspeichern und bei Bedarf und Notwendigkeit wieder abzurufen. Das Sammeln von Eindrücken und Erfahrungen ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für das Überleben eines Menschen.


Und: Wer sammelt, lebt häufig glücklicher, zufriedener und geselliger. Wichtige Funktionen des menschlichen Gehirns wie das Suchen und Finden, Sortieren und Verbinden, Erfassen und Aufbewahren, Erhalten und Anhäufen werden durch das Sammeln von Etwas stimuliert und trainiert.


Als Privatperson sammle ich zum Beispiel leidenschaftlich genussvolle Momente und freudige Erlebnisse.

Als Neurocoach bin ich neugierig und äußerst interessiert an den neuesten Forschungsergebnissen aus der Hirnforschung und der Neuropsychologie. Ich kann davon nie genug bekommen. Mein Anspruch: Je mehr ich verstehe, um so sicherer fühle ich mich in meiner Arbeit als Neurocoach. Davon profitieren meine Klienten, aber auch ich selbst. Ich liebe es einfach, neurowissenschaftliche Sachverhalte geistig zu durchdringen, Zusammenhänge zu erkennen, um daraus wieder praktische Lösungsansätze, Tools für den Alltag, zu entwickeln.


Zeig mir, was du sammelst, und ich sage dir, was du für ein Persönlichkeitstyp bist. Sammeln ist immer eng mit unseren Motiven verbunden. Motive sind die Beweggründe für das, was wir tun. Alles, was wir tun, dient der Befriedigung unserer innersten Bedürfnisse. Sammeln befriedigt daher etwas in uns, was sich nach Erfüllung sehnt oder was befriedigt werden will.



2. Welcher Sammlertyp bist du?

Wenn du für dich herausbekommen willst, welcher Sammlertyp du bist, warum (Motive) und wofür (Ziele) du etwas sammelst, dann stelle dir folgende Fragen:


1. Was sammle ich?

2. Warum sammle ich das?

3. Wofür sammle ich das?

4. Wie sammle ich das?

5. Wann sammle ich das?

6. Wo sammle ich das?

7. Mit wem sammle ich das?


Mit der Beantwortung dieser sieben Fragen wirst du viel über dich selbst erfahren, was dich so innerlich wirklich antreibt, welche Bedürfnisse in dir mehr oder weniger unbefriedigt oder nach Erfüllung dürstend aktiv sind, welche Motive dich antreiben und welche Ziele du mit deiner Sammelleidenschaft erreichen willst.


Wenn du ein klares Bild über dich als Sammlertyp gewonnen hast, dann kannst du auf die Suche nach gleichdenkenden und gleichfühlenden Menschen gehen. So wird deine Sammelfreude zu einem wesentlichen sozialen Faktor für dich und deinen Alltag. Sammeln in Gemeinschaft beugt Einsamkeit und Langeweile vor. Ein profundes und Freude schenkendes Mittel gegen schleichende Erkrankungen wie Depression, Alzheimer und Demenz.


Man kann Sammler folgenden 10 Kategorien zuweisen:


1. Der «klassische» Jäger

Ich will mein Sammelgebiet komplett haben.


2. Der Spekulant

Ich will an meinen gesammelten Objekten einen guten Gewinn machen.


3. Der Ästhet

Ich will mich an der Schönheit der Sammelobjekte freuen.


4. Der Perfektionist

Ich will nur perfekte Stücke in meiner Sammlung haben.


5. Der „Ohne Grenzen“ Sammler

Ich will möglichst viele Bierdeckel besitzen.


6. Der Denkmalpfleger

Ich will mir ein Denkmal für die Ewigkeit errichten.


7. Der Forscher

Ich will anhand der Sammelobjekte neue Entdeckungen machen.


8. Der Heimathirsch

Ich will alles haben, was mit meinem Sammelgebiet zu tun hat.


9. Der Historiker

Ich will ein Zeugnis der Geschichte in Händen halten.


10. Der Narzisst

Ich will besondere Dinge besitzen und werde dir auf jeden Fall davon erzählen.





3. Wenn Sammeln Leiden schafft

Wie jede Leidenschaft kann das Sammeln krankhafte Züge aufweisen. Jeder kennt Menschen, die alles sammeln, Kassenbons, Plastiktüten, quasi alles, was ihnen in die Hände kommt, und die nichts wegwerfen können: das sogenannte "Messie-Syndrom".


Andere wiederum verschulden sich finanziell in existenzbedrohlichem Maße, nur um die Sammlung an besonderen Prunkstücken, seltenen Objekten oder nahezu unbezahlbaren Unikaten immer weiter zu vervollständigen.


Einige von uns werden allein vom Akt des Sammelns an sich süchtig, andere wiederum vom unstillbaren Verlangen an Glücks- und Machtgefühlen, die sich einstellen, wenn man etwas Besonderes gefunden hat und sein Eigen nennen kann.


Grundsätzlich gilt: Sammeln macht glücklich, da es die wesentlichsten neuronalen Netzwerkstrukturen in deinem Hirn bedient, die für dein Verlangen, Genuss und deine Freude und Befriedigung verantwortlich zeichnen. Aber wie bei allem, was dein Belohnungs- und Verlangens-System unkontrolliert und fremd gesteuert kapert, kann das Sammeln nicht nur glücklich, sondern auch abhängig und süchtig machen.


Wenn du herausfinden willst, ob du schon von deiner Sammelleidenschaft abhängig bist, dann beantworte dir die folgende (achte) Frage:


Wie stark wird mein Alltag von meiner Sammelleidenschaft bestimmt?


Stelle diese Frage auch dir vertrauten Personen und Freunden, so das du, zusätzlich zu deinem Eigenbild, ein ehrliches Fremdbild bekommst.


Frage dich selbst ehrlich und offen: Wie stark ist deine Wahrnehmung des Alltags, dein Denken, Fühlen, Empfinden und Erleben, aber auch dein Handeln und Tun von deiner Sammelleidenschaft geprägt?


Achtung! Wenn du es privat oder beruflich mit einer Person zu tun hast, deren Sammelleidenschaft ein Problem für dich, für eure Verbindung, für das Team usw. darstellt, dann sei dir als erstes gewiss: Jedes menschliche Gehirn sammelt und ist zum Sammeln fähig! Ohne Sammeln kein Überleben.


Doch nicht jedes Gehirn kann diese Fähigkeit von sich aus ausreichend unter Kontrolle halten. Sogenannte „Messies“, Sammelwütige, zum Beispiel, sind nicht zu faul zum Aufräumen. Sie können es nur einfach nicht. Es fällt ihnen zusätzlich schwer, einmal Erworbenes und Gefundenes wieder abzugeben. Verlust ist für Messis eine äußerst starke Emotion, die sie mit weiterem sammeln und behalten versuchen, unter Kontrolle zu halten.


Manche Menschen sammeln auch etwas, um aus dem Chaos ihres realen Alltags zu entfliehen. Mit dem Anhäufen von Dingen finden sie für sich eine Insel oder Nische, auf die bzw. in die sie sich, häufig für andere unbemerkt, zurückziehen können. Im Extremfall wird man so zu einem einsamen Sammler, der einerseits seine Einzigartigkeit bewahren und vielleicht auch Bewunderung ernten kann, aber andererseits sämtliche anderen Realitäten des Lebens ausblendet.


Wenn für dich das Sammeln bereits zu einem Problem geworden ist, dann sei dir als erstes gewiss: Das Sammeln an sich ist nicht dein Problem, sondern das Loslassen. Etwas wieder abzugeben, sein zu lassen, für das man sich sehr intensiv, mit Haut und Haaren, eingesetzt hat, fällt jeden Menschen schwer.


Mein Tipp: Wenn du wirkliche Schwierigkeiten mit dem Loslassen hast, dann hole dir Unterstützung! Nur mit Hilfe einer dir vertrauten, dich respektierenden und verstehenden Person wirst du es das Loslassen (wieder) lernen können. Denn es ist nicht dein Verstand und deine Vernunft, die gegen das aktive Befreien von Ballast spricht, sondern deine Emotionen und Empfindungen, die du mit dem bereits Gesammelten und mit dem Sammeln an sich verbindest. Diese aufzulösen und auf andere Dinge neu auszurichten, das ist die eigentliche Aufgabe für dich.





4. Sammeln als „therapeutischer“ Glücksbringer

Etwas zu sammeln beschäftigt unser Gehirn grundsätzlich in einem positiven Sinne. Wer etwas sammelt, der vergleicht, sortiert, legt ab, freut sich über den Besitz, kommt ins Gespräch mit anderen.


Sammeln aktiviert und trainiert damit die wesentlichsten Funktionsebenen des menschlichen Gehirns. Dazu gehören unter anderem die Netzwerkstrukturen der Freude, des Genusses, der Belohnung, Anerkennung, Wertschätzung und des Denkens und Lernens.


Sammeln stärkt damit nicht nur deine Persönlichkeit, sondern auch die Vitalität und Gesundheit deines Gehirns. Wer sammelt ist diszipliniert, hat ein Ziel, ist geduldig, zäh, kann auch mal mit Rückschlägen umgehen, wenn etwas schiefläuft.


Sammeln macht einfach glücklich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wie sieht es bei dir selbst aus?

  • Kannst du dich schon im Vorfeld ungemein freuen, wenn zum Beispiel das Teil, das du schon so lange suchst, in einem Paket zu dir unterwegs ist? Dann folgst du dem Prinzip der Vorfreude auf eine Belohnung.

  • Bereitet es dir einfach nur Freude, etwas zu erringen oder deine bereits bestehende Sammlung komplett zu bekommen? Dann folgst du dem Prinzip der Vollständigkeit und des Erfolgs.

  • Macht es dich vor allem glücklich, wenn du es nach einer längeren Durststrecke des Suchens und Stöberns endlich geschafft hast, das zu finden, was du begehrst? Dann folgst du dem Prinzip der Geduld, Konzentration und Disziplin.

  • Liebst du es insbesondere, strukturiert, geplant und organisiert vorzugehen, dann folgst du deinem Sicherheitsdrang.

  • Gibst du dich einfach leidenschaftlich dem Sammeln und dem damit verbundenen Thema oder Objekten hin, dann gewinnst du Freude vor allem am Sammeln selbst.

  • Zeigst du anderen Personen deine Sammlung leidenschaftlich gern, auch wenn diese nicht danach fragen, dann folgst du dem Prinzip der Anerkennung und Wertschätzung.

  • Findest du es gut, dich mit deinen Sammel-Objekten von anderen abzuheben, dann befriedigst du eventuell deinen Wunsch nach Dominanz, Macht oder auch deine narzisstischen Persönlichkeitseigenschaften.

  • Legst du besonderen Wert darauf, dich mit anderen Sammelfreudigen auszutauschen, dann folgst du der sozialen Komponente des Sammelns. Wer etwas sammelt, teilt seine Leidenschaft und seine Freude häufig mit Gleichgesinnten. Einsamkeit hat da keine Chance.

Wie du sicher erkennen kannst: Unabhängig davon, was dich bezüglich der Freude und Lust am Sammeln antreibt, wenn du etwas sammelst, du trainierst damit immer dein Hirn und beschäftigst es mit etwas psycho-emotional Spannendem, Interessantem, Aufregendem, Neuem und manchmal auch Überwältigendem!


Aus meiner Sicht als Neurocoach ist Sammeln daher einer der besten Methode, um sich vom Alltagsgeschäft einmal bewusst zu verabschieden sowie kognitiv-emotional in spannende, kreative und aufregende Welten abzutauchen. Bewusstes Sammeln hat daher für mich auch immer einen „therapeutischen“, „lernenden“ und „beglückenden“ Aspekt.


Mein Tipp für dich: Willst du dein gelangweiltes Gehirn hin und wieder einmal aus seiner Lethargie befreien, dann sammle etwas!


5. Die (neurowissenschaftlichen) Motive des Sammelns

Der Antrieb, etwas zu suchen, zu finden und zu besitzen, ist eng mit deinem mesocortiko-limbischen-dopaminergen Belohnungssystem verbunden. Dieses System besteht aus verschiedenen Nervenzellen und Netzwerkstrukturen, die in ihrem Zusammenspiel entscheidend an der Entstehung positiver Gefühle beteiligt sind.


Dein Gehirn ist „hungrig“ nach positiven Gefühlen, da diese unter anderem eine kognitive und emotionale Leichtigkeit und Offenheit sowie eine körperliche Schmerzfreiheit bewirken.


Wenn du also etwas sammelst, und das unter bewusster Kontrolle und gescheiter Abschätzung des Aufwand-Nutzens-Verhältnisses, dann befriedigst du nahezu spielerisch und automatisch dein Bedürfnis nach positiven Gefühlen und Erlebnissen, aber auch dein Verlangen nach Lustgewinn, Bindung und Selbstentwicklung.


Aus diesem Zusammenhang heraus ergeben sich die verschiedensten intrinsischen (innerlichen) und extrinsischen (äußeren) Motive (Beweggründe) für das Sammeln an sich.


So werden zum Beispiel oft Dinge gesammelt, weil man sich dadurch finanzielle, materielle Vorteile oder andere Gratifikationen verspricht. Dazu gehören zum Beispiel langfristige existenzielle Absicherungen, eine Wertanlage oder eine gezielt eingeplante Wertentwicklung des Gesammelten.


Die Leidenschaft beim Sammeln kann aber auch ohne jegliche externe Anreize entstehen. Neugier und Wissensdurst sind hier die zentralen intrinsischen Motive.



Wissenschaftler und Forscher zum Beispiel sind per se "Sammler": Ohne zu sammeln könnten sie kaum zu Generalisierungen und Verallgemeinerungen kommen. Der Entwurf von Hypothesen und Theorien hängt eng mit dem Sammeln zusammen. Wissenschaftlich arbeiten bedeutet per se Erkenntnisse zu akkumulieren und Theorien zu entwickeln. Viele technische oder auch digitale Fortschritte wurden und werden dadurch erreicht, dass es neugierige, interessierte, umtriebige und wissbegierige Menschen gibt, die leidenschaftlich Erkenntnisse und Wissen für sich und andere sammeln.


Ich selbst liebe es, Wissen und Erkenntnisse aus den Bereichen der Neurowissenschaften, der Hirnforschung, der Neuropsychologie und der Medizin zu sammeln. Diese Leidenschaft ist teilweise äußerst stark in mir ausgeprägt. Ohne Kontrolle und Zügelung meines Wissens- und Erkenntnisdranges würde sich mein Hirn liebend gern nur damit beschäftigen. Ich musste lernen, mir selbst feste Zeiten vorzugeben, in denen ich meiner Sammelleidenschaft freien Lauf lasse oder in denen ich bewusst und gezielt nach neuen Erkenntnissen suche.


Die in uns wohnenden Beweggründe für das Sammeln sind weit gefächert und hängen unmittelbar mit unserer Persönlichkeit, Biografie und Selbstentwicklung zusammen. Aus der Vielzahl an intrinsischen Motiven von Sammlern stechen vor allem das Prinzip der Machtdemonstration (Dominanztrieb), der Wunsch nach Unvergleichbarkeit und Einzigartigkeit sowie der Bedarf nach Sicherheit und Stabilität heraus.


Viele von uns sammeln einfach aus Freude heraus, etwas zu besitzen. Dies gibt Sicherheit, Wertschätzung und Anerkennung.


Eitelkeit, Narzissmus, Idealismus und Perfektionismus können ebenfalls starke Treiber für das Sammeln der besten Briefmarken, Medaillen, Uhren, Schmuckstücke, Antiquitäten usw. sein.


Übrigens: Sammler, die aus Macht- oder Prestigegründen heraus wertvollen und einzigartigen Dingen hinterherjagen, sprechen häufig auch gern darüber und zeigen ihre Schätze jeden und jedem, unabhängig, ob es gerade zeitlich und thematisch passt oder nicht.


Dem „narzisstischen“ oder „egozentrischen“ Sammler stehen Menschen gegenüber, die ihre Sammelleidenschaft als eine stark sozial geprägte Aktivität ausleben. Die besten Freunde und Bekannte sammeln, also beteiligt man sich und wird von der entsprechenden Gemeinschaft akzeptiert. Dort, wo Sammlungen öffentlich werden, verlieren sie ihren "egoistischen" Charakter und werden zu etwas Gemeinnützigem.


Das Anhäufen von Dingen kann aber auch ein Zeichen von Ängsten vor dem Alleinsein, der Einsamkeit oder dem „nicht mehr wahrgenommen und gesehen werden“ sein. In diesen Fällen ist das Sammeln von etwas sicher eine gute und auch empfehlenswerte Möglichkeit, die eigene Angst vor dem „Nichts“, der „inneren Leere“ oder der „Bedeutungslosigkeit“ zu kompensieren. Voraussetzung: Das Sammeln erfolgt nicht geheim im eigenen Kämmerlein, ohne Kontrolle und Abwägung von Nutzen und Aufwand.


Wer nichts sammelt, macht sich in meinen Augen genauso „psycho-emotional“ verdächtig, wie jemand, der süchtig und abhängig von seiner Sammelleidenschaft ist.


Hinter jedem Sammeln steckt mindestens ein unerfülltes oder bisher nicht ausreichend berücksichtigtes Bedürfnis. So bewirkt zum Beispiel das Bedürfnis nach Absicherung und Kontrolle bei vielen Menschen, jeden Beleg, jede Quittung, ja jeden Wortlaut innerhalb der zwischenmenschlichen Kommunikation als Beweise zu sammeln, um Fall der Fälle nicht angreifbar zu sein. Aber auch Hoffnungen, Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen führen häufig zum Suchen und Finden, Aufspüren, Entdecken, Sortieren, Aufbewahren, Anhäufen und Horten.


All die aufgeführten Beispiele zeigen, welch psycho-emotionale Komponente das Sammeln in sich trägt! Wir sammeln, um glücklich, erfüllt und zufrieden zu sein. Wir sammeln aber auch, um unsere Ängste, gewisse persönliche Mängel und Schwächen zu kompensieren oder von diesen abzulenken. Dies ist auch der Grund, warum ich in meinen Klienten nach ihrer Sammelleidenschaft frage. Ganz nach dem Motto: Sag‘ mir, was du sammelst, und ich sage dir, nach was es dich in Wirklichkeit dürstet.


Zur Beruhigung: Etwas zu sammeln, nur weil es wertvoll ist, entspricht dem neurobiologisch determinierten Grundprinzip des Sammelns an sich. Wir Menschen heben in der Regel nur Dinge auf, die für uns einen Wert oder eine Bedeutung haben. Oder die für uns in der Zukunft wichtig und bedeutend sein könnten. Dieses Grundprinzip des Sammelns teilen wir alle miteinander.


Was allerdings wichtig und bedeutend ist, entscheidet am Ende jedes Gehirn für sich selbst. Und genau hierin besteht auch die Gefahr des Sammelns! Nicht immer entspricht es dem allgemeinen Wertekodex einer Gesellschaft, was so von einigen Menschen leidenschaftlich als bedeutender Wert gehortet wird.


Sammler, die nicht den Normen und Werten der Allgemeinheit entsprechend sammeln, setzen sich daher häufig der Stigmatisierung durch andere aus („Der ist aber komisch, skurril, verdächtig, schräg, was der alles so sammelt.“) In der Folge fühlen sich Sammler von ungewohnten Dingen häufig abgelehnt und ausgegrenzt oder als etwas ganz Besonderes, Einzigartiges, was beides schlussendlich zur Einsamkeit führen kann.

Daher mein Credo: Lassen wir die Leute doch sammeln was sie wollen, solange sie damit nicht den familiären oder sozialen Frieden bedrohen!



6. Ohne Sammeln keine Erinnerungen, ohne Erinnerungen kein Leben

Erinnerungen sind für uns alle lebensnotwendig. Sie sind das Fundament für unser Hirn. Nur auf Grundlage von Erinnerungsspuren und -inhalten ist dein Gehirn in der Lage, schnell und effizient seine eigene Realität (Welt, Wahrheit) zu konstruieren, ohne dich immer dazu direkt befragen zu müssen, was dir vor allem in bedrohlichen Situationen, aber auch in Momenten des höchsten Verlangens einen wesentlichen Überlebensvorteil garantiert!


Wir alle sammeln daher im Auftrage unser Gehirne mit jedem Atemzug Erinnerungen. Sie sind die Basis für unser alltägliches Handeln, wie wir uns bewegen, denken, fühlen, wahrnehmen. Alles, was uns ausmacht, ist mit Erinnerungen verbunden. Und: Erinnerungen steuern unsere Erwartungen im Alltag.


Aus diesen Gründen macht es unglaublichen Sinn, in seinem Leben bewusst etwas zu sammeln, was später, wenn weniger passiert im Alltag, die Freunde von einem gegangen sind, man für die Gesellschaft nicht mehr so interessant und spannend ist, in einem selbst positive Erinnerungen weckt.


Mein Tipp: Werde bereits heute schon Sammler positiver Erlebnisse und Gedanken. Hebe ausgewählt eher Dinge auf, die für dich positiv besetzt sind. Bewahre bewusst und gezielt besondere Momente für dich in deinem Gedächtnis auf. Sammle dafür kleine Erinnerungsstücke, die dir später helfen werden, dich erneut an die großartigen Ereignisse und Momente deines Lebens zu erfreuen.


Ich selbst habe zu Hause eine schöne Holzkiste in der ich kleine Dinge wie Briefe, Muscheln, Steinchen, Menükarten, Tickets, sogar Fetzen von Kleidungsstücken, Kerzenstummel, Korken usw. sammle und aufbewahre, die beim Anblick mein Herz vor Freude und Dankbarkeit bereits heute schon höherschlagen lassen. Ich bin mir sicher, diese höchst positive und angenehme Reaktion meines mesocortikolimbischen Verlangens-, Genuss- und Belohnungssystems wird sich mit der Lebenszeit noch potenzieren und mich am Ende eventuell sogar vor der Altersdepression oder Demenz bewahren!



7. Sammeln macht krisenfest

Sammeln kann helfen, besser mit Krisen klarzukommen. Krisen sind immer gekennzeichnet durch Gefühle von Ausweglosigkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Angst.


In scheinbar aussichtslosen Zeiten sind viele von uns von ständiger innerer Anspannung, emotionaler Dünnhäutigkeit, eingeschränktes Denken und undifferenziertes Bewerten von Menschen und Situationen geplagt. Einige haben Probleme, sich zu organisieren oder zu konzentrieren.


Genau in solchen Krisenzeiten kann es für dich nachweislich äußerst hilfreich sein, ein Hobby wie das Sammeln von etwas zu haben. Dein krisengeschütteltes Alltagsleben besitzt damit noch aufmunternde, Sicherheit und Stabilität garantierende Facetten, in denen du weitermachen kannst wie bisher und glücklich bist.


Fazit: Etwas zu sammeln bietet dir gerade in Krisenzeiten einen Halt. Sammeln als Hobby betrachtet kann dir helfen, wie Sport auch, mit Misserfolgen zum Beispiel im Beruf oder mit Problemen in der Familie erfolgreicher und schneller fertig zu werden.


Ja, Sammeln ist so etwas wie ein Puffer gegen Krisen und Stress und zählt für mich als Neurocoach zu den Resilienzen eines Menschen. Denn Sammeln entspannt und stimmt zufrieden, macht in der Regel Spaß und stärkt das Selbsterleben und die Selbstwirksamkeit.


Sozialpsychologen wie Patricia Linville sagen: Sammeln erhöht, wie jedes andere Hobby, die Selbstkomplexität des Menschen. Menschen sind, so die Sozialpsychologin, komplexer, wenn sie mehrere Tätigkeitsgebiete haben, in denen sie Freude erleben, Wissen erwerben, Erfolg einfahren können. Und eine hohe Selbstkomplexität ist immer ein starkes Bollwerk gegen Gefährdungen jeglicher Art, die wir in unserem Alltag häufig selbst nicht unmittelbar beeinflussen können. Wir können uns aber davor schützen, indem wir etwas Sammeln!