Neustart im Post-Corona-Hirn - Über die Kunst des fröhlichen Wiederbelebens

Aktualisiert: Aug 12

Eigentlich könnten wir sehr zufrieden und glücklich sein. Die 7-Tage-Inzidenz fällt auf einen neuen Tiefstand von unter 20,0 (Stand heute 12.6.2021). Wir können wider in Restaurants, Bars und Cafés sitzen, Theater, Kinos und Opernhäuser öffnen ihre Pforten, das alltägliche Leben nimmt wieder Fahrt auf. Das Wetter spielt auch mit, wir können uns in den Parks der Stadt zusammen auf der grünen Wiese gegenübersitzen, anschauen, genießen und austauschen.





Doch irgendwie ist da bei vielen von uns eine Blockade im Kopf. Gerade in dem Moment, in dem wir uns am Telefon mit ein paar Freunden zum Brunch verabredet haben, Sonntagmittag, in unserem Lieblingscafé, wir das Gespräch beenden, kommt sie aus den Tiefen unseres Gehirns hochgekrochen: Die Angst, das Glück könnte nur von kurzer Dauer sein. Wir trauen dem Frieden einfach nicht. Zu unsicher, ungewiss und unplanbar war die die dritte Corona Welle. Das hat viele von uns genervt, frustriert, gestresst und ängstlich gemacht.


Was, wenn die vierte kommt? Die Corona Virus-Mutante Delta, die auch B.1.617.2 genannt wird und zuerst in Indien entdeckt wurde. Sie verbreitet sich, laut aktuellen Angaben aus Großbritannien, schneller als die Alpha-Mutante, auch genannt B.1.1.7. Jene Variante, die seit dem Winter das Infektionsgeschehen im Vereinigten Königreich, in Deutschland und vielen anderen Ländern dominiert. Was ist, wenn wir zu früh gelockert und geöffnet haben? Werden wir dafür im Herbst „bestraft“? Sollten wir nicht vorbeugend erneut in kollektive Quarantäne gehen? Uns wieder in die eigenen vier Wände zurückziehen?


Lieber nicht. Dann drohen uns erneut quälende Stunden und Tage der Absonderung, des Home Schooling, Home Offices und des Home Entertainments. Von den erniedrigenden und dickmachenden Fress- und Saufattacken aufgrund von Erschöpfung und Frustration ganz zu schweigen.


Aber einfach ungehemmt und ohne Grenzen wieder der Wollust und Schlemmerei frönen? So, als wäre nichts gewesen? Ist das die Lösung? Wiegen wir uns dann nicht in falscher Sicherheit? Der Virus ist schließlich noch da. Oder vielleicht doch nicht? Was ist, wenn ich mich im Glückstaumel doch wieder anstecke? Werde ich mir das je verzeihen können?


Stopp! Schluss mit diesem Gedankenwirrwarr. Wenden wir uns den realen Fakten und Tatsachen zu. Bringen wir ein wenig Ordnung und Struktur in unseren Kopf! Denn genau das brauchen wir in Krisenzeiten. Einen klaren Verstand. Und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen den Alltag so zu nehmen, wie er eben ist! Auch in den dunkelsten Zeiten des Lebens gibt es kleine Lichtblicke, die es zu erkennen und zu genießen gilt. Nur so tanken wir unsere Batterien für das, was kommen kann, wieder auf.


Was bedeutet das konkret für unsere Blockaden im Kopf? Wie können wir die angezogene „Spaßbremse“ in unserem Gehirn etwas lösen, um diese einmalige Chance, wieder Energie zu tanken, positive Emotionen zu sammeln, Schönes und Angenehmes zu erleben, das Stress-System zu stärken, wirklich aus vollem Herzen und mit klarem Verstand zu nutzen? Hier sind meine Tipps.


Bekomme als erstes heraus, zu welchem Neustart-Typ du gehörst.

Meine Erfahrungen aus dem Coaching der letzten Tage lässt die Unterscheidung von 4 Grundtypen zu:


Grundtyp 1: Der spaßfreudige Typ

Gehörst du zu denen, die kaum zu bremsen sind? Sich ohne weitere Hemmungen in das „wiedergewonnene“ Leben stürzen. Das ist der für mich der spaßfreudige Typ.


Grundtyp 2: Der gestresste Typ

Zählst du dich zu denen, die erst jetzt so richtig bemerken, wie erschöpft und fertig sie sind. Und deswegen die große Befürchtung haben, ein Treffen mit mehr als 3 Personen nervlich nicht mehr durchhalten zu können? Und daher am liebsten zu Hause bleiben. Das ist für mich der von Corona gestresste Typ.


Grundtyp 3: Der ängstliche Typ

Oder hast du die Angst, es könnte noch viel schlimmer werden? Hast du überall und zu jeder Zeit die Befürchtung, man könnte dich doch noch am Ende anstecken? Informierst du dich regelmäßig über die Inzidenzen, Ansteckungsrisiken und -möglichkeiten? Macht dich das schier verrückt, aber du kommst aus deinem Katastrophendenken in die Zukunft einfach nicht heraus? Dann gehörst du zu den ängstlichen Typen.


Grundtyp 4: Der ernüchterte Typ

Hast du für dich selbst feststellen müssen, dass sich während der Corona-Zeit keine Person in deiuner unmittelbaren Umgebung in seinem Verhalten und Denken irgendwie zum Besseren verändert hat? Obwohl du dir das so sehr gewünscht hast? Im Gegenteil, die Nörgler, Pessimisten, kommunikativen Wasserfälle, Störenfriede, Narzissten und Perfektionisten, alle sind die gleichen geblieben. Oder noch schlimmer geworden. Aus Ernüchterung hast du dich nun entschieden, so oft wie möglich Home Office oder Home Entertainment zu machen. Obwohl du raus auf die Straße und ins Büro gehen könntest.


Welche Tools aus den Neurowissenschaften helfen nun wem, um wirklich den aktuellen Freudentaumel und die neu gewonnene „Freiheit“ mit allen Sinnen wahrnehmen und genießen zu können?


Für den spaßfreudigen Typen gilt: Gebe dich deinem Hedonismus gern voll hin, aber achte weiterhin auf die bestehenden Hygieneregeln. In den Parks lässt es sich wunderbar mit einem ordentlichen Abstand voneinander chillen und grooven. Und wenn es dir einmal zu langweilig wird, dann unterstütze aktiv all die kleinen und großen Kinos, Theater und Kulturbühnen, die deine Stadt zu bieten hat. Wenn es einmal zu heiß unter deiner Haube werden sollte, dann kühle dich ab mit einem mutigen Sprung ins kühle Nass.


Für den gestressten Typen gilt: Widme dich ausgiebig deiner Selbstfürsorge und Selbstberuhigung. Wende die 1-Minuten-Pausentechnik an. Atme länger aus als ein. Schließe die Augen und widme dich für einen Moment deinem Atem. Spanne bewusst vereinzelte Muskelgruppen an und löse diese wieder mit Lust. Erde dich. Immer wieder und wieder. Und bekomme deine Gedanken in den Griff. Denk schlank und fokussiert. Nutze dazu den Gedanken-Hinterfrager. Schaffe dir Schritt für Schritt ein wirkungsvolles Stress-Interventions-Notfallset an.




Für den ängstlichen Typen gilt: Stoppe dein angstmachendes Katastrophendenken. Nutze dafür den Gedanken-Hinterfrager. Welche deiner Gedanken sind für die jeweilige Situation hilfreich? Welche nützlich? Realistisch? Positiv stimulierend? Und: Welche Gedanken sind wirklich deine? Halte deine Gedanken an der Leine zurück, wenn diese gerade wieder einmal negativ in die Zukunft rennen (Was ist, wenn die vierte Welle kommt?). Hole sie wieder zurück und verpasse ihnen eine andere, positivere Richtung (Wenn die vierte Welle kommt, werden wir besser vorbereitet sein.) Oder lenke deine Gedanken auf eine andere Fährte, wie einen Hund. Besser noch, fokussiere deine Gedanken auf das Hier und Jetzt! Sage dir klar und deutlich: Jetzt ist es gerade einmal gut. Heute können wir die nächsten drei Stunden mit Freunden und Nichtstun genießen, Kraft tanken. Nach diesen drei Stunden denke ich wieder über das nach, was kommen könnte.





Für den ernüchterten Typ gilt: Überraschend ist das für dich sicher nicht, oder? Warum sollten sich gerade in schwierigen Krisenzeiten all die „Idioten“ um dich herum zu etwas Besseren verändern? Nur weil du diese nicht mehr treffen musstest, leidet jetzt dein Gehirn. Das ist die Wahrheit! Wie angenehm und entspannt war es doch ohne all die störenden Typen. Genau dieses angenehme Gefühl will dein Kopf für immer behalten. Um das zu erreichen hast du drei Möglichkeiten, wähle dir deine, zu dir passende aus: 1. Du sprichst deine Gedanken gegenüber dem Nörgler, Pessimisten, Narzissten offen und ehrlich aus. In diesem Fall musst du allerdings mit jeglicher Form an Konsequenzen rechnen. 2. Du erinnerst dich an deine Strategien, die du vor Corona bereits angewandt hast, um diese für dich unerträglichen Typen im Direktkontakt auszuhalten. An eine Technik wirst du dich sicher erinnern: Das Gehirn auf Durchzug schalten, dabei auf für dich wesentliche Schlüsselwörter achten und ausschließlich erst dann reagieren. Ansonsten: vermeintlich zuhören, ohne dabei in soziales Grunzen, Animieren und Bestätigen zu verfallen. 3. Bewerte die Person, die dich einfach nur nervt, neu. Nehme sie anders wahr, denke anders über ihr Verhalten nach. Stelle dir dazu vor, du sitzt in einem Theatersaal, erste Reihe, und schaust entspannt dem Treiben dieses Menschen auf der Bühne zu. Und entscheide am Ende selbst, ob du Beifall geben willst oder nicht. Und denke stets daran: Zu Hause zu bleiben, Home Office für immer, ist keine wirkliche Option!


Fazit: Egal, welcher Neustart-Typ du bist, wage den Schritt nach draußen, genieße diese freie, sonnige, belebende Zeit, sauge mit all deinen Sinnen das auf, was dir gefällt, dich stärkt und dir Mut und Kraft schenkt! Denn wir wissen in der Tat nicht, was noch kommen wird. Was wir aber wissen ist: Unser Gehirn braucht den vielfältigen Input von außen und den direkten Austausch mit anderen Gehirnen. Und diese Chance bietet sich genau Jetzt, heute, an dem Tag, an dem du munter wirst, aufstehst und deinen Weg gehst!