Über die Kunst, sich gegenseitig hilfreiche und förderliche Rückmeldungen zu geben

Aktualisiert: 13. Mai

„Ich kann mit Kritik sehr gut umgehen, wenn diese konstruktiv, sachlich und lösungsorientiert ist. Denn aus Fehlern können wir ja alle nur lernen. Und wer arbeitet, macht auch Fehler. Wichtig für mich ist auch, wie Kritik vorgetragen wird. Wenn dies auf Augenhöhe, mit Respekt und Anstand, direkt, klar und deutlich, in einem ruhigen Ton und zum richtigen Zeitpunkt passiert, dann fällt es mir leichter, Kritik von anderen anzunehmen.“


So oder so ähnlich antworten nahezu alle meiner Gesprächspartner, wenn es um das Thema „Feedback und Kritik wertschätzend und lösungsorientiert annehmen und geben, aus Fehlern gezielt lernen.“ geht.


Die goldenen Regeln für eine konstruktive Kritik sind uns also allen sehr wohl bekannt. Aber warum halten wir uns dann häufig nicht daran? Insbesondere, wenn wir unter Stress, einer hohen Arbeitslast oder Zeitdruck stehen? Wieso fällt es uns hin und wieder schwer, mit Kritik oder negativem Feedback gut umzugehen? Und weshalb werden wir häufig auch verletzend und persönlich, wenn wir jemanden anderen für etwas kritisieren? Von der zerstörerischen Selbstkritik ganz zu schweigen.


Die Antwort auf all diese Fragen ist einfach: Weil wir Menschen sind! Jeder von uns hat seine Vorlieben, Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen und Bedürfnisse. Dazu kommen verschiedene Persönlichkeitsstrukturen und Charaktereigenschaften. Aber auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, um mit Stress-Situationen, Problemen, Sorgen, Konflikten und Krisen umzugehen.

Wenn Menschen beispielsweise in einem Team zusammenarbeiten, dann gibt es immer wieder Anlässe und Notwendigkeiten für gegenseitige Rückmeldungen. Aber muss das dann auch gleich eine konstruktive oder destruktive Kritik sein? Oder reicht schon eine Bemerkung zu etwas, was man bei einer anderen Person wahrgenommen hat. Viele von uns haben sich noch nie wirklich ernsthafte Gedanken gemacht, warum wir Menschen sowohl Rückmeldungen (Feedback) als auch Beurteilungen (Kritik) brauchen. Und weshalb eine gute Fehlerkultur unabdingbar ist, damit sich innerhalb eines Teams oder Unternehmens alle Beteiligten willentlich trauen, sich gegenseitig konstruktive Kritik und ein ehrliches Feedback zu geben. Was wiederum ein wesentlicher Garant für eine produktive Zusammenarbeit ist.

Selbstverständlich trifft das nicht nur auf die berufliche Ebene zu, auch in Paarbeziehungen und Freundschaften ist es wichtig, dass man sich gegenseitig Rückmeldungen geben kann - wertschätzend, respektvoll und klar.


Ich persönlich habe mich aufgrund meiner beruflichen Anfragen aus dem Gesundheitswesen und der öffentlichen Verwaltung sehr intensiv damit beschäftigt, was Feedback, Kritik, Lob und Tadel wirklich, also vom Wortstamm, bedeuten und für mich herausgefunden: Wer das besser versteht, hat auch keine Probleme mehr mit Kritik geben und nehmen.



Rückmeldung, Feedback, Beurteilung, Kritik – Was ist darunter zu verstehen?

Das Wort „Feedback“ kommt aus dem Englischen und steht für Rückmeldung oder auch Rückinformation durch eine Person (Feedbackgeber) an eine andere (Feedbacknehmer). Inhalte dieser Rückmeldung können eigene Beobachtungen und Wahrnehmungen, aber auch Informationen und Nachrichten von Dritten sein. „Feedback“ ist also eine gegenseitige Rückkopplung zwischen Menschen bezüglich ihres Verhaltens, Denkens, Handelns, Tuns in bestimmten Situationen und Ereignissen.


Feedback Funktionen (Beispiele)

  • Leistungsniveau feststellen und beurteilen.

  • Erzielte Erfolge benennen und bewerten.

  • Neue Ziele definieren und künftige Anforderungen formulieren.

  • Benötigte Kompetenzen analysieren.

  • Weiterentwicklung des Mitarbeiters planen.

  • Missverständnisse oder (personelle) Konflikte lösen.

  • Einigkeit über die weitere Zusammenarbeit erzielen.

  • (Unerwünschtes) Verhalten verändern.

  • Künftige Entscheidungen verbessern oder dazu ermutigen.


Sich gegenseitig regelmäßig Feedback zu geben ist wesentlich für eine gute Zusammenarbeit und für ein friedliches Zusammenleben. Denn wir alle sind bio-psycho-emotional-soziale Wesen, die ohne jeglicher Form von Rückinformation bezüglich unseres Verhaltens und Daseins schlichtweg nicht überleben könnten.

Kurzgefasst: Ohne Feedback kann es keine Gemeinsamkeit zwischen Menschen geben!


Richtig eingesetzt, kann Feedback enorm wertvoll sein. Im Beruf ist es sogar unerlässlich, um sich weiterzuentwickeln.

Feedback ist allerdings nicht immer willkommen und braucht klare Regeln.

Wer Feedback geben will, der sollte sich vorweg immer selbst im Klaren sein: Will ich ausschließlich eine „neutrale“ Rückkopplung geben, was ich wahrgenommen habe? Oder will ich gleichzeitig der anderen Person mitteilen, wie sein Verhalten wirkt oder ankommt, wie ich die Situation oder Leistung beurteile oder welche Verbesserungspotenziale erkannt werden. Achtung: Auf diesem Wege wird aus dem Feedback (= Rückinformation) eine Kritik!


Inwieweit deine Rückinformation vom Feedbacknehmer (FN) positiv, negativ oder neutral aufgenommen wird, hängt von den folgenden, wesentlichen Faktoren ab:

  1. Was soll aus deiner Sicht das Feedback beim FN schlussendlich bewirken? Ein Umdenken, Nachdenken? Ein anderes Verhalten? Was genau?

  2. Welche Motive haben dich dazu bewogen, ein Feedback genau zu diesem Zeitpunkt, an diesem Ort, zu diesem FN auf diese Art und Weise abzugeben? Willst du etwas befördern, anregen, loben, verbessern oder jemanden zerstören, diffamieren, ausgrenzen, gezielt manipulieren. Oder willst du nur deine Wahrnehmungen wiedergeben?

  3. Auf welche Art und Weise bringst du das Feedback rüber? Offen, ehrlich, klar, und deutlich? Oder aggressiv, vorwurfsvoll, beleidigend?

  4. Basiert dein Feedback auf deinen subjektiven Wahrnehmungen, oder folgst du mehr den objektiven, für alle Beteiligten nachvollziehbaren Beobachtungen?

  5. Gibst du das Feedback ohne Bewertung ab, oder legst du schon eine, auf Grundlage von subjektiven oder objektiven Normen, Werten, Gesetzen und Regeln basierende Einschätzung hinein?

Noch einmal: Immer, wenn wir in unsere Rückmeldung (Rückinformation) etwas „Beurteilendes“ hineinlegen, dann wird aus einem Feedback eine Kritik.


Das Wort „Kritik“ kommt aus dem Griechischen (kritike) und bedeutet sinngemäß „Kunst der Beurteilung“ oder auch „urteilfähig; Beurteiler“ (kritikos) und „Richter“ (krites). In unserem Alltag verstehen wir Kritik allerdings häufig als Beanstandung, Tadel, Korrektur, Rüffel, Verriss oder auch das Hinweisen auf Fehler. Und genau darin besteht das Grundproblem!

Kritik ist im Grunde genommen erst einmal nichts anderes als ein Feedback, also eine Rückmeldung, die aber mit einer Bewertung (Beurteilung, Verurteilung, Gewichtung, Einschätzung, usw.) gekoppelt ist.

„Kritik“ kann und sollte damit von allen Beteiligten eines Teams (einer Familie, einer Beziehung, einer Freundschaft) zunächst als eine sehr wesentliche kommunikative Form der Rückmeldung und Rückinformation untereinander angesehen werden, die bewusst und gezielt beurteilt und bewertet. Unter diesem Aspekt wird „Kritik“ zu einem essenziellen Tool für die zwischenmenschliche Kommunikation, insbesondere auch in schwierigen, stressigen Zeiten und Krisen.

Zusammengefasst können wir an dieser Stelle für uns festhalten:


Wir Menschen brauchen das Feedback, damit wir überhaupt miteinander arbeiten und leben können. Wir benötigen aber auch die Kritik, um uns weiterentwickeln zu können. Denn nur auf Grundlage einer wahrhaftigen, gerechtfertigten und nachvollziehbaren Beurteilung einer Sache, eines Vorfalls, einer Aufgabe, einer Leistung oder auch einer Person von außen sind wir in der Lage, uns weiterzuentwickeln.



Die folgende Check-Liste kann dir eine Unterstützung dafür sein, deine Äußerungen direkt während des Feedback-Gesprächs gezielt und bewusst zu steuern:

  • Ist das Feedback erwünscht?

  • Ist der Hinweis willkommen?

  • Ist das Feedback zielführend?

  • Ist das Feedback zeitnah?

  • Ist das Feedback im Zusammenhang erkennbar?

  • Ist es nachvollziehbar? Konstruktiv?

  • Ist das Feedback authentisch?

  • Ist die Rückmeldung konkret? Weiß der Empfänger, was zu tun ist?

  • Weiß der Überbringer auch, was zu tun ist?

  • Was lässt sich daraus lernen?

  • Ist das Feedback positiv? Motiviert es alle Beteiligten? Zeigt es Perspektiven aus?

  • Hat der Feedbacknehmer Alternativen? Kann er mitreden?


Ein menschliches, konstruktives, achtsames und vertrauensvolles Für- und Miteinander in jeglichen Beziehungen ist der Garant für Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Freude und Wohlbefinden im Beruf wie im Privatleben.

Damit Kritik konstruktiv ist, gibt es Grundregeln, die nicht nur du, sondern das gesamte Team beherzigen und tagtäglich leben solltet.


Konstruktiv Kritisieren kann von uns allen erlernt werden! Je häufiger du dich in sachlicher und fairer Kritik übst, desto mehr wirst du die dafür notwendigen Grundregeln und mentalen Einstellungen verinnerlichen. Die folgenden Regeln sind weitere Tipps, wie dir konstruktive Kritik noch besser gelingen kann.