Die vier Grundbedürfnisse nach Grawe | 1. Grundbedürfnis Bindung

Aktualisiert: 13. Mai

Die 4 Grundbedürfnisse des Menschen nach Klaus Grawe

Wir alle werden in unserem Alltag von Bedürfnissen geleitet.

Wir streben danach Bedürfnisse zu befriedigen, damit positive Erfahrungen herbeizuführen und unangenehme Dinge von uns fernzuhalten.

Professor Klaus Grawe postulierte im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeiten vier Grundbedürfnisse des Menschen, welche empirisch sehr gut validiert sind. Es handelt sich um das Bedürfnis nach:


Für unseren kognitiven, emotionalen und körperlichen Zustand ist es unumgänglich, dass wir uns unsere vier wesentlichen Grundbedürfnisse erfüllen. Sind diese über längere Zeit nicht befriedigt, fühlen wir uns nicht wohl, verlieren an Leistungsbereitschaft und Motivation oder werden sogar krank.


Im Sinne deines allgemeinen Wohlbefindens, deiner Leistungsfähigkeit und Gesundheit ist es also äußerst hilfreich, wenn du dich hin und wieder mit deinen vier wichtigen Bedürfnissen bewusst auseinandersetzt und herausfindest, was dir wirklich wichtig ist und welche wahren Motive (Beweggründe) zu deinem alltäglichen Handeln und Tun führen.


Jeder von uns wendet die für sich passenden Strategien an, um seine vier Grundbedürfnisse befriedigt zu finden. Ob du in der letzten Zeit für dich auf dem richtigen Weg bist, kannst du in diesem und den folgenden Blogartikeln herausfinden!



Grundbedürfnis: Bindung

Das Bedürfnis nach Bindung ist wohl eines der grundlegendsten Bedürfnisse, denn Bindung sichert dem Menschen das (Über)Leben.


Sich zu jemandem oder etwas gebunden und zugehörig zu fühlen, und dies auch geistig, emotional und körperlich in der Realität zu sein, ist die wesentlichste Triebkraft des menschlichen Gehirns. Denn nur auf diesem Wege erlangt es an Bedeutung und wahrem Austausch. Deshalb ist auch das Versinken in Bedeutungslosigkeit und Einsamkeit eines der wesentlichen Schattenseiten des digitalen Zeitalters.

Das Grundbedürfnis nach Bindung und Verbundenheit ist ein zutiefst Menschliches, welches auf Basis von 0-1-0-1-0 Lösungen, künstlicher Intelligenz und virtuellen Welten nicht ausreichend befriedigt werden kann.


Nimm dir einen Moment, um folgende Frage zu beantworten (Bindung = Bedürfnis nach Mitmenschen, nach Nähe zu einer Bezugsperson, oder auch Idee, Religion, usw.):


Mit anderen Personen zusammen durch den Alltag zu gehen, sich aneinander zu reiben, zu reflektieren, zu fördern und zu fordern, ist essenziell für das Erkennen des wahren Kern-Ichs und für das sichere Überleben des eigenen Selbst-Ichs. Allein die Gewissheit und die Erfahrung, dass ein anderer Mensch bei Bedarf zuverlässig, prompt und adäquat da ist, wenn wir Hilfe, Unterstützung, Wärme, Sicherheit brauchen, gibt uns Vertrauen in das Leben.

Schon die ersten Bindungserfahrungen prägen unsere spätere Beziehungsgestaltung. Eine Vielzahl von Studien zeigen, dass eine gute Eltern-Kind-Beziehung eine der wichtigsten Ressourcen für das ganze Leben darstellt. Unsere Eltern ermöglichen es ein Urvertrauen zu entwickeln und prägen, wie angenehm Beziehungen empfunden werden. Zudem leben uns unsere Eltern oder Erziehungsberechtigte ein Modell von Beziehungen vor. Sie zeigen wie Beziehungen funktionieren, wie wir miteinander umgehen, was in Ordnung ist im Umgang mit Anderen, wie Andere mit einem umgehen dürfen, wo Grenzen erreicht sind, wie wir uns respektvoll verhalten, wie wir auf andere zugehen können, was zu Sympathie und was eher zu Ablehnung führt. Durch all dies erhalten wir ein Repertoire an Strategien, um unser eigenes Bedürfnis nach Bindung zu befriedigen, auch im Erwachsenenalter.




Unser Bindungsbedürfnis bleibt vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Zeitpunkt des Todes vorhanden. Die Interaktionspartner und die Art und Weise, wie wir dieses Bedürfnis befriedigen, verändern sich jedoch fortlaufend, auch noch im hohen Alter. Aufgrund der Neuroplastizität in unserem Gehirn können wir alle immer wieder neue Beziehungserfahrungen für uns selbst machen. Strategien des gegenseitigen Kennenlernens und Zusammenlebens können wieder und wieder verändert werden. Das ist spannend, aufregend und gesundheitsförderlich. Was wir dafür brauchen, ist eine ordentliche Portion an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.

Was bleibt ist unser Selbst-Ich, dieses entsprechend den bestehenden Umständen und antreibenden Bedürfnissen zu entwickeln und zu pflegen, ist die Aufgabe eines jeden von uns! Gut, wenn wir uns gegenseitig dabei mit Respekt und Anstand unterstützen und begleiten.


Achte im Alltag auf die Befriedigung deiner vier wesentlichen Grundbedürfnisse und mache täglich etwas dafür. Dies ist eine wesentliche Quelle für ein glückliches, zufriedenes und erfülltes Leben. Selbstverständlich kannst du nicht 24/7 an allen gleichzeitig arbeiten und es gibt Situationen im Leben, da lässt sich das ein oder andere nicht so leicht umsetzen. Doch das wichtigste ist, dass du dir deiner Bedürfnisse gewahr bist, sie kennenlernst und für dich selbst herausfindest, was dir hilft, diese zu befriedigen.