Was hilft wirklich gegen den Kater? - Eine medizinisch-wissenschaftlich fundierte Antwort

Auswertung einer aktuellen Übersichtsarbeit zum Thema:

Quantitativer Vergleich der Wirksamkeit und Verträglichkeit pharmakologisch wirksamer Maßnahmen zur Behandlung und Prävention des alkoholbedingten Katers.


Ich hätte es nicht besser planen können! Kurz nach Fertigstellung unseres neuen Spice Up Your Happiness Videos zum Thema Katerfrühstück entdecke ich in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Addiction, herausgegeben von der Society fort he Study of Addiction am 1.1.2022, folgenden systematischen Überblick (Review) über Placebo kontrollierte, randomisierte Studien an gesunden Erwachsenen, die eine pharmakologisch aktive Intervention zur Behandlung oder Vorbeugung des Alkohol bedingten Katers untersuchten.


Ziel

Ziel war es herauszufinden, ob es nachweislich wirksame und verträgliche, pharmakologisch wirksame Mittel gibt, die wir vorbeugend oder zur Behandlung eines alkoholbedingten Hang-overs für uns anwenden könnten. Das Ergebnis des Reviews ist sicher nicht nur für den Einzelnen unter uns interessant, sondern auch für Arbeitgeber. Denn der Konsum von Alkohol führt viel häufiger als zunächst ersichtlich zu Fehltagen am Arbeitsplatz. So hatten zum Beispiel laut DAK-Gesundheitsreport 2019 Arbeitnehmer in Baden-Württemberg mit Hinweisen auf eine sogenannte Substanzstörung deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme. Der Krankenstand der Betroffenen war mit 6,8 Prozent mehr als doppelt so hoch. Sie fehlten aber nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben wurden. Sondern weil sie unter alkoholbedingten psycho-emotionalen Einschränkungen und Störungen wie Angstzuständen, Konzentrations- und Antriebsschwäche und Müdigkeit leiden.


Methodisches Vorgehen

Die Autoren durchsuchten die wesentlichsten medizinisch-wissenschaftlichen Datenbanken Medline, Embase, PsycINFO und CENTRAL vom Beginn der Datenbank bis zum 1. August 2021.

Der primäre Wirksamkeitsnachweis war eine kontinuierliche Messung der gesamten Kater-Symptome (u.a. Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Übelkeit, Durst, Müdigkeit, Schwindelgefühl und Magenschmerzen) und der primäre Verträglichkeitsnachweis die Anzahl der Personen, die die Studie aufgrund von unerwünschten Ereignissen (AEs) abbrechen.

Im Rahmen des Reviews wurden 21 Studien mit 386 Teilnehmern eingeschlossen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass von ihnen keine Meta-Analyse durchgeführt werden konnten, da innerhalb der berücksichtigten 21 Studien keine 2 Studien über dieselbe Intervention berichteten. Gleichzeitig führten methodische Bedenken und Ungenauigkeit dazu, dass alle untersuchten Wirksamkeitsresultate als von sehr geringer Qualität eingestuft wurden.

So wurde in einigen Studien nicht aufgeführt, welche Art von Alkohol von den Studienteilnehmern getrunken wurde. Und um wieviel Prozent Alkohol es sich am Ende insgesamt handelte. Auch konnte nicht in aller Klarheit nachvollzogen werden, ob und in welcher Menge parallel zum Alkohol Wasser als Verdünnungsmittel getrunken wurde oder ob die Teilnehmer weitere psycho-emotional wirksame Substanzen konsumiert hatten.


Ergebnisse

Im Vergleich zu Placebo berichteten einzelne Studien über eine statistisch signifikante Verringerung des mittleren prozentualen Gesamtwertes der Kater-Symptome für folgende Mittel und Substanzen:

  • Nelkenextrakt (42,5% vs. 19,0%, p<0,001),

  • Tolfenaminsäure (84. 0% vs. 50.0%, p<0.001),

  • Pyritinol (34.1% vs. 16.2%, p<0.01),

  • Hovenia dulcis Fruchtextrakt (p=0.029),

  • L-Cystein (p=0.043),

  • roter Ginseng (21.1% vs. 14.0%, p<0.05) und

  • koreanischer Birnensaft (41.5% vs. 33.3%, p<0.05).

Alle untersuchten Interventionen wiesen ein günstiges Verträglichkeitsprofil auf. Keine Studie berichtete über Abbrüche aufgrund von Nebenwirkungen.

Die Autoren weisen angesichts der ermittelten Daten darauf hin, dass Nelkenextrakt, Tolfenaminsäure und Pyritinol am ehesten eine weitere Untersuchung rechtfertigen könnten.