Gänsegrauen und andere Albträume | Was wollen uns Albträume sagen?

Ich gestehe. Gestern hatte ich einen Albtraum: Ich renne die ganze Nacht einer sehr leckeren, knusprigen Gänsekeule hinterher. Bei jedem Versuch, diese für mich einzufangen, entgleitet sie mir aus den Händen. Mit einem verlockenden Lächeln auf den Lippen rennt meine Gänsekeule vor mir her, dreht sich dabei immer wieder zu mir um, lockt mit ihrem saftigen Fleisch, bleibt hin und wieder stehen, um dann im richtigen Moment sofort wieder loszurennen. Ich komme ins Schwitzen, falle, stehe wieder auf, renne weiter, komme näher, die Gänsekeule ist zum Greifen nah, ich will sie schlussendlich mit beiden Händen packen, berühre sie bereits mit den Fingerspitzen, und Puff, meine Gänsekeule zerfällt vor meinen Augen… aber nein, was jetzt? Zähne einer anderen Person, eines gänsefressenden Monsters schlagen sich wieder und wieder in das kräftige Muskelfleisch, reißen die besten Stücke und verschlingen diese mit höchstem Genuss und Verlangen vor meinen Augen. Schweißgebadet wache ich auf. Ich muss mich beruhigen, sofort. So gehe ich also in die Küche und schaue nach, ob noch alle 3 Gänse da sind. Denn am nächsten Tag soll es bei mir zu Hause den klassischen Gänsebraten geben, 12 liebe Freunde sind dazu eingeladen, der 2G+Regel folgend.


Und da liegen Sie, die 3 goldenen Bio-Gänse vom Bauernhof meines Vertrauens. Ich lasse mich beruhigt auf einen der Küchenstühle fallen, erfreue mich des Anblicks, ja, Vorfreude steigt in meinem Kopf auf, immerhin konnte ich Jan für die kommende Festlichkeit gewinnen, den Meister des Kochens und des guten Geschmacks. Jan ist der Garant für einen meisterhaften Gänseschmaus mit Freunden und Familie! Da bin ich mir sicher. Vorfreude steigt in mir auf. Aber es bleibt auch ein kleiner, dunkler Fleck auf meiner Seele. Warum nur hatte ich diesen Albtraum? Was will mir mein Gehirn sagen? Gut, dass ich mich in letzter Zeit mit diesem Thema beschäftigt habe.


Was ist ein Albtraum?

Mit Träumen verbinden wir häufig etwas Positives. Im besten Falle wandeln wir, wie „Alice im Wunderland“, durch eine aufregende, bunte, fantasievolle Welt voller Glück, Zufriedenheit, Erfüllung, Liebe und Leichtigkeit. Schließlich heißt es „Träume werden wahr“, wenn uns etwas Gutes passiert.


Doch es gibt so manche Nächte, in denen wir unterbewusst etwas mit Körper, Geist und Seele erleben, was wir nicht vergessen können. Davon aufgeschreckt und wachgerüttelt, versuchen wir uns als erstes zu beruhigen, um uns dann an das gerade Erlebte wieder zu erinnern und in halbwegs sinnvolle und nachvollziehbare Worte zu fassen. Ziel dabei ist es, dass gerade im Traum schrecklich Erlebte für sich befriedigend und beruhigend zu verarbeiten.


Albträume stehen für die dunkle Seite des Träumens. Sie sind geprägt von Angst und Panik. Viele wachen davon schweißgebadet auf. Nach bisherigen Erkenntnissen tauchen Albträume vor allem in den REM-Schlafphasen in der zweiten Hälfte auf. Diese Schlafphase zeichnet sich durch schnelle Augenbewegungen hinter geschlossenen Augenlidern (REM = Rapid Eye Movement) aus. Der Schlaf in dieser Phase ist zwar leichter, gleichzeitig handelt es sich um eine ausgeprägte Traumschlafphase, die zum Ende der Nachtruhe immer länger dauert. Wer aus dieser Phase aus einem Alptraum aufschreckt, kann sich meist sehr gut an den konkreten Inhalt erinnern. Wachen Sie hingegen aus einer Tiefschlafphase auf, besteht meist keine Erinnerung mehr.


Und jetzt wird es etwas wissenschaftlicher. Medizinisch betrachtet gilt ein Albtraum als sogenannte Parasomnie. Dabei handelt es sich um eine Form der Schlafstörung, genauer gesagt, um eine gestörte Schlafqualität. Die Medizin und die Psychologie unterscheiden zwischen zwei Formen von Albträumen. Im Falle eines sogenannten idiopahtischen Albtraums gibt es keine erkennbaren Ursachen oder psychische Störungen. Der idiopathische Traum ist fiktiv. Der posttraumatische Albtraum lässt sich auf ein Trauma zurückführen und bildet daher, in meist unveränderter Form, eine tatsächliche Begebenheit ab. Zu unterscheiden ist der Albtraum weiterhin vom Pavor nocturnus (Nachtschreck) und vom Schlafwandeln (Somnambulismus).



Für mich steht nach einem kurzen Nachdenken fest: Mein Gänsekeulentraum gehört zur Kategorie Albtraum. So weit, so gut. Aber was bedeutet dieser Albtraum nur?