Was ich seit dem 22. März dank Covid-19 über mich selbst lernen konnte

Liebe Leserinnen und Leser,


ich habe mir vor kurzem die folgende Frage gestellt: „Was habe ich seit dem 22. März 2020 dank Covid-19 über mich selbst und meine Lebens- und Arbeitsverhältnisse lernen und erfahren dürfen?“ 


Erstens: Ich bin kognitiv, emotional und körperlich in der Lage, einen bisher unbekannten Virus zu überleben!  


Zweitens: Vier Tage hintereinander im wahren Fiberwahn zu liegen war eine exzellente Möglichkeit für mich, mit meinem eigenen Kern-Ich in Kontakt zu treten. Und das auf ganz natürlich-biologische Art und Weise, ohne zusätzliche Substanzen und anderweitige Stimulanzien. 


Drittens: Mein Gehirn funktioniert angesichts schwieriger Krisenzeiten nicht perfekt, aber äußerst menschlich! Angesichts der durch die Krise verursachten Unberechenbarkeiten, Unklarheiten und Unvorhersehbarkeiten sowohl im privaten als auch beruflichen Alltag suchten meine neuronalen Netzwerkstrukturen im Kopf vor lauter Unsicherheitsgefühl nach einem Halt! Mit dem Ziel, wenigstens ein wenig Struktur, Planbarkeit und damit Ruhe und Zuversicht in den Alltag zu bekommen.  


Viertens: Bei der Suche nach einem Halt war mein Gehirn nicht wirklich wählerisch. Ja, es gab Momente, da wollte es mich dazu bringen, das Institut zu schließen und einen systemrelevanten Job anzunehmen! Ich sah mich schon als Zugbegleiter bei der Vogtlandbahn auf der Strecke zwischen Leipzig und Gera. Doch der Höhepunkt der Verwirrung zeigte sich in der intensiven Beschäftigung  mit hoch komplexen Verschwörungstheorien. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Wir Menschen wollen verstehen, warum was mit einem wie passiert. Das menschliche Gehirn fühlt sich innerhalb einer Krise immer nur dann wirklich beruhigt und sicher, wenn es glaubt, die kausalen Zusammenhänge, Motive und Verantwortlichkeiten für die aktuelle Situation zu kennen.


An dieser Stelle entschuldige ich mich bei allen, die von mir für eine gewisse Zeit per WhatsApp usw. verschwörungstheoretische Zusendungen erhalten haben mit der Bitte, diese auch zu lesen. Mein Gehirn war so aufgewühlt, ängstlich und resigniert, das es sich nach einer „Erklärung“ der Dinge sehnte, um nur einfach zur Ruhe zu kommen. Das Phänomen daran: Je kruder und absurder die Verschwörungstheorien waren, um so spannender fand das mein Gehirn! Denn hinter jeder konstruierten Geschichte steckt auch eine enorme kreative Kraft! 


Fünftens: Früher oder später führen Krisenzeiten bei jedem von uns zu der existenziellen Frage: „Wozu das alles eigentlich?“. Eine weitere Frage lautet immer: „Wie soll das nur weitergehen?“. Ich finde das im Nachhinein gut! Wann hinterfragen wir schon einmal konzentriert und fokussiert unser alltägliches Tun, aber auch unsere Erwartungen und Wünsche an die noch kommende Zeit?    


Sechstens: Resignation, Depression, Angst, Stress und Frustration liegen in unseren Gehirnen unwahrscheinlich dicht beieinander. Die dafür verantwortlichen neuronalen Netzwerkstrukturen und Funktionalitäten kommunizieren permanent miteinander, dynamisch und höchst flexibel. Das was mich aber besonders fasziniert ist die Tatsache, das diese Areale auch verantwortlich sind für Freude, Zuversicht, Leidenschaft und Lust! Wir müssen sie nur dazu bringen, mit real-positiven Denkmustern, Gedanken, Empfindungen, Gefühlen und gemeinsam mit unseren Freunden und unserer Familie!  


Fazit: Die bisherige Corona-Zeit war für mich nicht unbedingt ein Geschenk, für das ich dankbar sein sollte. Nein, ich hätte darauf gern verzichten wollen. Aber all die einschränkenden Maßnahmen und unsicheren Ausblicke haben mich endlich einmal so richtig aus der neuronalen „Bahn“ geworfen! Ich wurde gezwungen, mich mit der Digitalisierung meines Wissens und meiner Erfahrungen wirklich intensiv zu beschäftigen und dieses auch in entsprechenden Online Trainingsprogrammen umzusetzen. Seit Anfang April 2020 kaufe ich zum Beispiel kein Buch mehr, sondern wir nutzen am Institut eine gemeinsame digitale Bibliothek und studieren mittels Kindl und i-Pad was die Neurowissenschaften aktuell alles so hergeben. Mir ist das nicht leicht gefallen, mein digital affines Team musste so manchen emotionalen „Ausraster“ von mir aushalten. Wen es interessiert, wie das so aussieht, wenn ich mich dem digitalen Leben verweigere, der schaue sich gern das unterhaltsame, aber äußerst authentische Outtake-Video