Neue Wohlbefinden-Formel gefunden!

Aktualisiert: 18. Juli 2019


Es ist Sommer, eine gute Zeit, einmal über Dinge nachzudenken, die uns im Leben alle wichtig sind, aber in der Schnelligkeit des Alltags häufig zu kurz kommen. „Wohlbefinden“ ist so ein Thema. Jeder von uns kennt das selbst wahrgenommene Gefühl des Glücks und der Zufriedenheit. Doch, wie häufig stellt sich dieses auch wirklich ein? Was muss sich im beruflichen wie privaten Alltag alles erfüllen, damit wir uns „wohl befinden“? Dazu gehören sicher gute soziale Kontakte und Bindungen zu anderen Menschen. Oder auch eine gewisse finanzielle Sicherheit, Gesundheit und Vitalität. Und erfüllende, erfreuliche und positive Erlebnisse und Erfahrungen. Wir können also an verschiedenen Stellschrauben drehen, um unser Wohlbefinden zu stärken. Was aber nun, wenn uns das nicht so häufig gelingt? Zum Beispiel im Arbeitsalltag? Weil die Rahmenbedingungen nicht die besten sind? Müssen wir uns, in diesem Fall, voll auf unsere Freizeit konzentrieren? Oder, einfach weniger arbeiten gehen?


Gut, dass es zur Beantwortung dieser sommerlichen Fragen aktuelle Studien zum Thema gibt. Eine von diesen kommt so u.a. zu dem folgenden überraschenden Ergebnis: Für das Wohlbefinden reichen acht Stunden Arbeit aus! Pro Woche, wohlgemerkt. Mehr Arbeitszeit brauchen wir nicht, um die Gefahr von psychischen Erkrankungen zu reduzieren und, neurobiologisch betrachtet, in einem Zustand des Wohlbefindens zu kommen. Ich sehe schon, was nun auf uns zukommt: Das Fünf-Tage-Wochenende und die Ein-Tag-Woche.

Ist das nicht toll! Acht Stunden Erwerbsarbeit genügen, um eine gute seelische Balance herzustellen – und zwar nicht pro Tag, sondern pro Woche. In der dazu passenden Studie von Wissenschaftlern der britischen Universitäten Cambridge und Salford wurden rund 70.000 Briten im Alter von 16 bis 64 Jahren neun Jahre lang regelmäßig zu ihren Arbeitszeiten, Angstgefühlen, Schlafstörungen und ähnlichen Indikatoren der psychischen Verfassung befragt. „Wir haben genaue Dosierungsanleitungen für alles – von Vitamin C bis zu den benötigten Stunden Schlaf –, um uns besser zu fühlen, aber das ist das erste Mal, dass diese Frage auch für Erwerbsarbeit gestellt wurde“, sagt Brendan Burchell, Soziologe an der Universität Cambridge und einer der Autoren der Studie. „Wir haben jetzt eine Vorstellung davon, wie viel entlohnte Arbeit nötig ist, um die psychosozialen Vorteile der Beschäftigung zu erhalten. Und es ist gar nicht besonders viel.“

Die Ergebnisse erfordern einen Paradigmenwechsel in unseren Köpfen. Arbeitslosigkeit ist in der Wissenschaft schon lange in Verbindung gebracht worden mit einer schlechteren psychischen Verfassung. Fehlende soziale Kontakte, keine fest vorgegebene tägliche Routine, ein Verlust an Identität werden zur Begründung angeführt. Den neuen Ergebnissen zufolge reduziert aber schon eine Beschäftigung von acht Stunden in der Woche die Gefahr von psychischen Erkrankungen um 30 Prozent. Nennenswerte Steigerungen sind bei längeren Arbeitszeiten nicht erkennbar.

Das bedeutet also, die in der westlichen Welt übliche Wochenarbeitszeit von 37 bis 40 Stunden führt im Vergleich zu kürzeren Beschäftigungszeiten nicht zu wesentlichen Unterschieden, wenn es um die mentale Verfassung geht. Die Untersuchung belegt, dass ein Mini-Job für das Selbstverständnis eines Beschäftigten die gleichen psychologischen Vorteile hat wie ein Vollzeitjob. Die Ergebnisse passen auch hervorragend zu der rasanten Entwicklung im Bereich der Robotik und künstlichen Intelligenz. Je mehr wir uns also auf Arbeit durch digitale und virtuelle Lösungen als Arbeitskraft ersetzen lassen, um so besser! Wir brauchen ja nur acht erfüllte Arbeitsstunden pro Woche, um ein ausreichendes Wohlbefinden zu erlangen.


Aber, trotz all der Euphorie angesichts der Studiendaten: Was wir wohl weiterhin benötigen ist Geld. Hm, wie lösen wir das? Ganz einfach, mit der Einführung eines staatlichen Grundeinkommens. Und, was es noch zu bedenken gilt: die geringere verbleibende Arbeit muss laut den Aussagen der Wissenschaftler richtig aufgeteilt wird, um eine gute seelische Verfassung der Bevölkerung sicherzustellen. Wie das gelingen kann? Ganz einfach, wir führen ab sofort ein fünf Tage langes Wochenende ein, bestehende Arbeitszeiten werden auf wenige Stunden am Tag reduziert, die Urlaubsansprüche auf mehrere Monate ausgeweitet. Wichtig dabei ist, die Reduzierung der Arbeitszeit durchgehend umzusetzen, um nicht sozioökonomische Ungleichheiten zu verschärfen.


Fazit 1: Um allen Menschen ein subjektives Wohlbefinden zu ermöglichen braucht es ab sofort folgende Maßnahmen: Auszahlung eines monatlichen Grundgehalts, Reduktion der Arbeitszeit auf acht Stunden pro Woche, Abschaffung des Begriffs „Wochenende“, da es nur noch für jeden 8 Stunden zum Arbeiten pro Woche gibt. Gleichzeitig verstärkte Investition für rasche Fortschritte beim Einsatz von Robotik und künstlicher Intelligenz.

Klingt gut, oder? Aber, bevor wir jetzt gleich alle kollektiv die Arbeitsmaterialien fallen lassen und nach Hause gehen, sei folgende Frage meinerseits noch erlaubt: Wie sieht es denn mit unseren Beschäftigungsmöglichkeiten im privaten Alltag für unser Gehirn aus? Haben wir da genügend für die neuronalen Strukturen und Funktionalitäten in unserem Kopf zu tun, was auch erfüllend und herausfordernd ist? Ich meine, irgendwann ist die Wohnung dann auch mal aufgeräumt, sind alle Rezepte des Thermomix gekocht, die Fenster geputzt, alle Netflix-Serien geschaut. Nach mehreren Tagen und Wochen des Ausschlafens und auf der Couch Hin- und Herwälzens fängt unser Körper und vor allem unser Gehirn nahezu an um Arbeitsaktivitäten zu betteln. Ein gesunder Schlaf will sich dann auch nicht mehr so einfach einstellen. Nicht zu vergessen all die Mitbewohner und Mitesser. Will man die den ganzen Tag lang sehen? Was sich also schnell ausbreiten könnte, wenn wir unser Acht-Stunden-Arbeitszeit-Modell inklusive Grundgehalt einführen würden, ist Langeweile, Lethargie und Monotonie. Und was macht dann der Mensch? Er kommt auf dumme Gedanken und belästigt damit andere. Eine Gefahr für den sozialen Frieden! Der gepflegte Konsum von Stimmungsaufhellern sowie das Eintauchen in virtuelle Welten könnten diese Entwicklung des kollektiven Gelangweiltseins sicher für eine längere Zeitdauer aufhalten, aber auch hier besteht die Gefahr, davon süchtig und abhängig zu werden und am Ende aufgrund der Überforderung des neurobiologischen Stress-Systems frühzeitig zu versterben (was nicht der schlechteste Tod sein muss, während der letzten Staffel von „Haus des Geldes“ unter Drogeneinfluss eng umschlungen auf der heimischen Couch gemeinsam schmerzfrei den letzten Atemzug zu erleben.)


Fazit 2: Wie wir es auch drehen und wenden, unser Gehirn will beschäftigt sein. Mit Dingen, die Freude bereiten, Lust erzeugen, erfüllend und befriedigend sind (= Wohlbefinden). Das ist so im neurobiologisch-genetischen Programm der einzelnen Nervenzellen verankert. Das bedeutet aber auch: Wir sind genetisch (existenziell) dazu verdammt, uns Tag und Nacht mit Etwas zu beschäftigen, was unserem Gehirn gefällt! Und das macht am Ende: Arbeit! Es geht also nicht per se um die Kürzung von Arbeitszeiten, sondern viel mehr um die Schaffung von Rahmenbedingungen, gesellschaftlich, politisch, ökonomisch, ökologisch, die es jeden Einzelnen von uns ermöglichen, sich gesund und vor allem kognitiv und emotional innerhalb seiner gegebenen biologischen Ressourcen und Potenziale zu entfalten und zu entwickeln. Ja, mit sich selbst und seiner Umgebung im Sinne eines objektiven und subjektiven Wohlbefindens zu beschäftigen! Bevor wir also die bestehenden Arbeitszeiten kürzen, sollten wir schauen, ob die damit gewonnene freie Zeit auch schon ausreichend gefüllt werden kann mit Spannendem, Fordernden, Erfüllenden, Beruhigendem, Nützlichem und Sinnvollem. Also mit Arbeit, die zu uns passt! Um das herauszufinden ist die Sommerzeit, genau, die beste Zeit! Ich wünsche euch und Ihnen in den kommenden Wochen wunderbare Erlebnisse, lesen Sie mal etwas ganz anderes als gewohnt, probieren Sie sich an einer neuen Tätigkeit, lernen Sie eine neue Sprache oder frischen Sie eine gelernte auf oder.... Beschäftigen Sie Ihr Gehirn einfach so, wie Sie es mögen! Und fordern Sie es auch immer wieder einmal heraus, sonst wird es schnell langweilig!


Herzlichst,

Ihr Sven Sebastian


#Genuss #Gehirn #Wohlbefinden

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